Desinfektionsmittel selbst herstellen

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Die Angst um das Coronavirus sorgt(e) für Hamsterkäufe und darauffolgend zu Lieferengpässen bei Atemschutz- beziehungsweise Hygienemasken und Desinfektionsmitteln. [a]

Manche Menschen sind unbedingt auf Desinfektionsmittel angewiesen, um sich oder andere zu schützen – Menschen mit geschwächtem Immunsystem; Menschen, die im Gesundheitswesen oder mit Kindern arbeiten, …

Bei anhaltenden Lieferengpässen kannst Du ein geeignetes Desinfektionsmittel auch Zuhause oder an Deinem Arbeitsplatz selbst herstellen. Bevor wir Dir aber alles notwendige mitgeben, müssen wir einmal auf die allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen hinweisen.

Allgemeine Infektionsschutzmaßnahmen

Bist Du ein gesunder Erwachsener, kein Angehöriger einer Risikogruppe und arbeitest nicht mit Kindern, älteren oder kranken Menschen etc., dann sieh bitte davon ab Desinfektionsmittel auf Vorrat (!) zu kaufen – für Dich genügt richtiges Händewaschen, die gelegentliche Nutzung von Desinfektionsmittel und weitere Infektionsschutzmaßnahmen, wie:

  • Niesen oder Husten in die Armbeuge oder in ein Taschentuch.
    • Beim Husten oder Niesen mindestens 1 Meter Abstand von anderen Menschen halten, drehe Dich am besten weg.
  • Vermeiden dichter Menschenansammlungen.
  • Vermeiden mit den Händen in Dein Gesicht bzw. an den Mund, die Augen oder die Nase zu fassen.
  • Niemals Nasentropfen oder -sprays mit anderen Menschen teilen.

Generell solltest Du Dir vor und/oder nach folgenden Situationen immer (!) gründlich die Hände waschen:

  • Nach dem Toilettenbesuch
  • Vor und nach der Zubereitung von Lebensmitteln
  • Nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen
  • Vor und nach dem Besuch von Veranstaltungen
  • Vor und nach dem Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Hände richtig waschen

So wäscht Du Deine Hände richtig (dazu gibt es auch ein Video von der WHO):

  1. Hände unter fließendem Wasser nass machen. Die Wassertemperatur sollte warm und nicht zu heiß sein.
  2. Rundum einseifen: Verwende genug Seife, um die Hände komplett einzuseifen. Die WHO gibt die folgende Anleitung zum Händewaschen:
    • Hände mit den Handinnenflächen aneinander reiben, bis die Seife schäumt.
    • Rechte Handfläche über den linken Handrücken legen und mit verschränkten Fingern die Fingerzwischenräume reinigen. Position der Hände anschließend wechseln.
    • Die Fingerzwischenräume von der anderen Seite reinigen, die Handinnenflächen liegen dabei aufeinander.
    • Fingerspitzen miteinander verschränken, indem die Fingerrücken zu der jeweils anderen Handinnenfläche zeigen.
    • Linken Daumen mit der rechten Hand umklammern und rotierend reiben. Hand wechseln.
    • Die Fingerspitzen an der jeweils anderen Handinnenfläche rotierend abreiben.
  3. Lass Dir Zeit: Richtiges Händewaschen dauert mindestens 30 Sekunden, bei sichtbar verschmutzten Händen auch länger.
  4. Spüle die Hände gründlich unter fließendem Wasser ab.
  5. Trockne Deine Hände gründlich ab, auch die Fingerzwischenräume. Verwende, wenn möglich, ein Papiertuch zur einmaligen Verwendung. Zuhause sollten Handtücher regelmäßig bei mindestens 60°C gewaschen werden.
Artikel: Desinfektionsmittel selbst herstellen | Abbildung zeigt das SARS-CoV-2

Abb. 1: Die Morphologie der Oberfläche des Coronavirus. Man beachte die „Stacheln“, die die äußere Oberfläche des Virus zieren, diese sorgen dafür, dass bei elektronenmikroskopischer Betrachtung das Virus eine „Korona“ zu umgeben scheint (diese erscheint als teilweise „verschmierte Scheibe“ um die eigentliche Virushülle). Das neuartige Coronavirus mit dem Namen „Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom Coronavirus 2“ (SARS-CoV-2) wurde als Ursache für den Ausbruch einer Atemwegserkrankung identifiziert, die erstmals 2019 in Wuhan (China) festgestellt wurde. Die durch dieses Virus verursachte Krankheit wird auch COVID-19 genannt. || Abbildung vom CDC auf Unsplash.com.

Desinfektionsmittel selbst herstellen

Der WHO Leitfaden „Guide to Local Production: WHO-recommended Handrub Formulations“ ist zweigeteilt. In Teil A wird erörtert, wie man Desinfektionsmittel selbst herstellen kann; in Teil B werden die wesentlichen wissenschaftlichen und technischen Hintergrundinformationen zusammengefasst.

Die WHO gibt zwei Formulierungen für geeignete Desinfektionsmittel zur hygienischen bzw. chirurgischen Anwendung an (u. a. die Anwendungsdauer ist entscheidend – mehr dazu weiter unten).

Inhaltsstoffe und benötigte Materialien

Inhaltsstoffe

Die notwendigen Bestandteile entsprechend der Formulierung 1 sind:

  • Ethanol 96 %
  • Wasserstoffperoxid 3 %
  • Glycerin 98 %
  • Gereinigtes Wasser (alternativ abgekochtes und/oder destilliertes Wasser)

Für Formulierung 2 benötigt man:

  • Isopropylalkohol* 96 %
  • Wasserstoffperoxid 3%
  • Glycerin 98%
  • Gereinigtes Wasser (alternativ abgekochtes und/oder destilliertes Wasser)

Beachte, dass nur Rohstoffe in Arzneimittelqualität (Ph. Eur.) verwendet werden sollten und keine (!) Produkte technischer Qualität.

Materialien

Zur Herstellung und Lagerung brauchst Du:

  • Für den ersten Ansatz eignet sich ein großer, lichtundurchlässiger Kanister oder eine Enghalsflasche aus Braunglas*
  • Für täglichen Gebrauch eignen sich Glasflaschen mit Tropfer*, Braunglasflaschen mit Tropfeinsatz* oder Spritzflaschen aus LDPE mit Tropfverschluss*, in die das Desinfektionsmittel umgefüllt werden kann.
    • Um eine Kontamination mit sporenbildenden Organismen zu vermeiden, sollten vorzugsweise Einwegflaschen verwendet werden, obwohl wiederverwendbare, sterilisierbare Flaschen die Produktionskosten reduzieren und das Abfallmanagement vereinfachen können. Wenn Mehrwegflaschen verwendet werden, sollten sie also, sofern keine Möglichkeit zur Sterilisation besteht, nach der Verwendung entsorgt werden.
    • Sprühflaschen und Zerstäuber sollten nicht benutzt werden, da der feine Nebel, der bei ihrer Verwendung entsteht eine explosive Atmosphäre erzeugt. Außerdem können Augen und Atemwege gereizt werden, wenn der Nebel ins Auge gelangt oder eingeatmet wird.

Weiterhin benötigt man:

Gegenstände, die sich elektrostatisch aufladen oder Funkenflug verursachen können (z. B. Messzylinder, Trichter etc. aus Plastik oder Metall), sollten bei der Herstellung nicht benutzt werden.

Benötigte Mengen

10-Liter-Maßstab

Im Leitfaden der WHO wird die Produktion im 10-Liter-Maßstab beschrieben:

  • Ethanol 96 %: 8333 mL
  • Wasserstoffperoxid 3 %: 417 mL
  • Glycerin 98 %: 145 mL
  • Gereinigtes Wasser: 1105 mL

Beziehungsweise:

  • Isopropylalkohol 99,8 %: 7515 mL
  • Wasserstoffperoxid 3%: 417 mL
  • Glycerin 98 %: 145 mL
  • Gereinigtes Wasser: 1923 mL

Die Endkonzentrationen von Ethanol beträgt dann 80 vol.-% (bzw. 75 vol.-% im Fall der Verwendung von Isopropanol), die von Glycerin 1,45 vol.-% und die von Wasserstoffperoxid (H2O2) 0,125 vol.-%.

Alkohol in höherer Konzentration wirkt nicht desinfizierend. Dank des Wassers kann der Alkohol nämlich die Zellwand von Pathogenen durchdringen, im Inneren der Zellen bewirkt er dann eine Fällung der Proteine. Das gilt für die meisten Bakterien. Bei Viren sieht die Sache schon etwas anders aus – Viren können grob unterteilt werden in behüllte und unbehüllte Viren. Unbehüllte Viren sind gegenüber Desinfektionsverfahren in der Regel stabiler als behüllte Viren.

Zu den unbehüllten Viren gehören unter anderem: Hepatitis A/E, Noro-/Rota-/Adenoviren, Papilloma-/Polyomaviren, Parvovirus B19, Enteroviren, Rhinoviren, Astroviren, … – bei diesen Erregern wird ein viruzid wirkendes Desinfektionsmittel benötigt.

Zu den behüllten Viren gehören unter anderem: Hepatitis B/C, HIV, RSV, SARS, Mumps, Masern, Röteln, Influenza, Parainfluenza, FSME, Gelbfieber, Zika, Tollwut, Hanta, … – hier wird „lediglich“ ein begrenzt viruzid wirkendes Desinfektionsmittel benötigt.

SARS-CoV-2 gehört zu den behüllten Viren – die Verwendung eines begrenzt viruzid wirkenden Desinfektionsmittels ist ausreichend. Nach RKI-Empfehlung sind Mittel, die zu mindestens zwei Dritteln aus Ethanol/Propanol bestehen, „begrenzt viruzid“ . Denn der Verlust oder die Beschädigung der Virushülle verhindert, dass das behüllte Virus eine Zelle infizieren kann. Die empfindlichste Komponente der Virushülle, die Lipidmembran, kann durch fettlösende Alkohole wie Ethanol oder Propanol zerstört werden. Bei einem hohen Lipidanteil der Virushülle genügen schon milde Detergenzien oder Seifen, um die Infektiosität des Virus herabzusetzen.

1-Liter-Maßstab

Für die Herstellung eines Liters Desinfektionsmittel benötigst Du:

  • Ethanol 96 %: 830 mL
  • Wasserstoffperoxid 3 %: 45 mL
  • Glycerin 98 %: 15 mL
  • Gereinigtes Wasser: 110 mL

Beziehungsweise:

  • Isopropylalkohol 99,8 %: 750 mL
  • Wasserstoffperoxid 3%: 45 mL
  • Glycerin 98 %: 15 mL
  • Gereinigtes Wasser: 190 mL

Die Endkonzentration entsprechen dann ungefähr den oben genannten Konzentrationen.

Herstellung

Für beide Formulierungen ist das Vorgehen identisch:

  1. Der Alkohol wird in eine saubere Flasche gefüllt.
  2. Zugabe des Wasserstoffperoxids.
  3. Zugabe des Glycerins – da Glycerin sehr viskos ist, bleibt viel Glycerin an der Wandung des Messzylinders haften, daher sollte man den benutzten Messzylinder mehrmals mit gereinigtem Wasser nachspülen (das dafür benutzte Volumen sollte natürlich vom Gesamtvolumen des Wassers abgezogen werden).
  4. Zugabe des Wassers.
  5. Das Gefäß gut verschließen und schütteln. Anschließend mindestens 72 Stunden stehen lassen.

Wasserstoffperoxid dient dazu, Sporen in den verwendeten Behältnissen abzutöten. Dazu muss die Lösung aber 72 Stunden stehenbleiben, bevor man sie verwendet.

Glycerin wird gegen die Austrocknung der Haut durch das Ethanol bzw. Isopropanol hinzugefügt. Glycerin wurde gewählt, weil es ungiftig und relativ kostengünstig ist. Eine Senkung des Glycerinanteils kann in Betracht gezogen werden, um das Gefühl der „Klebrigkeit“ auf der Hand zu verringern. Andere Feuchthaltemittel können für die Hautpflege verwendet werden, sofern sie günstig, verfügbar, mit Wasser und Alkohol mischbar, nicht toxisch und hypoallergen sind. (Denke auf jeden Fall daran, Deine Hände ausreichend zu pflegen. Desinfektionsmittel und Seife entziehen der Haut Fette. Trage daher regelmäßig rückfettende Hautcremes auf.)

Es wird dringend empfohlen, keine anderen als die hier angegebenen Inhaltsstoffe zur Formulierungen zu verwenden!

Die Herstellung und die Lagerung sollten in klimatisierten, kühlen Räumen stattfinden. In diesen Bereichen ist weder offenes Feuer noch Rauchen erlaubt – achte auch darauf, dass es nicht zu elektrostatischen Aufladungen oder Funkenflug kommen kann, da die Alkohole und das Produkt leicht entflammbar sind!

Kosten

Bei der Herstellung im 10-Liter-Maßstab betragen die Kosten pro 100 mL circa fünf bis acht Euro.

Analyse

Liegt für die Rohstoffe kein Analysezertifikat vor, sollte eine Vorproduktionsanalyse durchgeführt werden. Natürlich können dazu Techniken wie IR-Spektroskopie, Massenspektrometrie etc. verwendet werden, der Zugriff auf diese Techniken ist aber nicht immer gegeben.

Leichter zu bewerkstelligen ist die Überprüfung der Alkoholkonzentration mit einem Alkoholmeter* – bei größeren Abweichungen von der, vom Hersteller angegebenen Konzentration, muss die Formulierung angepasst werden, damit die Zielkonzentration stimmt.

Das Alkoholmeter* sollte aber mindestens zur Kontrolle der Alkoholkonzentration der Anwendungslösung benutzt werden. Akzeptabel sind Werte, die auf ± 5% der Zielkonzentration kommen:

  • 75%-85% für Ethanol (Formulierung 1)
  • Wurde Isopropanol verwendet (Formulierung 2), zeigt eine 75 %ige Lösung bei 25 °C einen Wert von 77 % (± 1 %) (auf einem Standard-Alkoholmeter).

Etikettierung

Das Etikett sollte folgende Informationen umfassen:

  • Name der Einrichtung / des Herstellers
  • Desinfektionsmittel (von der WHO empfohlene Formulierung)

    Nur zur äußeren Anwendung!

    Verwendung: Verteilen Sie etwa eine Handvoll des Desinfektionsmittels auf Ihrer Hand und verreiben Sie es gründlich bis die Hände trocken sind. Für eine optimale Wirkung sollte das Mittel 1 – 2,5 Minuten die Haut benetzen.
  • Bewahren Sie das Desinfektionsmittel unzugänglich für Kinder auf.
  • Vermeiden Sie Augenkontakt mit dem Mittel.
  • Entflammbar: Halten Sie das Mittel von Feuer, Funken und großer Hitze fern.
  • Ethanol bzw. Isopropanol trocknet die Haut aus, das Glycerin kann bis zu einem gewissen Grad dagegen vorbeugen. Gekaufte Mittel schützen die Haut jedoch besser vor Austrocknung. Aus diesem Grund sollte das selbstgemachte Desinfektionsmittel auch nur als Notlösung dienen.
  • Zusammensetzung: Ethanol oder Isopropanol, Glycerin, Wasserstoffperoxid, Wasser
  • Produktionsdatum und Chargennummer

Produktions- und Lagerbedingungen

  • Produktions- und Lagereinrichtungen sollten klimatisierte, kühle Räume sein. In diesen Bereichen ist weder offenes Feuer noch Rauchen erlaubt.
  • Die empfohlenen Formulierungen sollten nicht in Mengen von mehr als 50 Litern hergestellt werden, wenn keine spezielle Belüftung zur Verfügung steht.
  • Achtung! Die Flammpunkte von Ethanol 80% (v/v) und Isopropylalkohol 75% (v/v) liegen bei 17,5°C bzw. 19°C.
  • Bei der Lagerung der Rohstoffe und des Endprodukts müssen die Sicherheitsrichtlinien und gesetzliche Bestimmungen eingehalten werden.

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Disclaimer

Diese Informationen sind nicht als Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen geeignet. Der Artikel dient der allgemeinen Information über ein bestimmtes Thema, nicht der Beratung im Falle individueller Anliegen. Bei gesundheitlichen Beschwerden besuche bitte Deinen Arzt.

Auch wenn wir ständig an der Verbesserungen der Inhalte arbeiten, können einzelne Fehler, veraltete oder unvollständige Informationen oder womöglich gesundheitsgefährdende Inhalte nicht ausgeschlossen werden.

Die in diesem Artikel dargestellten Informationen über die Herstellung eines Desinfektionsmittels stammen direkt von der Weltgesundheitsorganisation und wurden von uns übersetzt und zusammengefasst. Wir können keine Garantie für die Richtigkeit geben. Die Verantwortung für die Interpretation und Verwendung dieser Anleitung liegt beim Leser. Die Umsetzung dieser Anleitung sollte nur durch fachkundiges Personen erfolgen. Wir haften in keinem Fall für Schäden, die sich aus der Verwendung dieser Anleitung ergeben.

Bitte beachte außerdem, dass kein Desinfektionsmittel 100 % aller Bakterien, Viren und Pilze abtötet. Wende Dich bei verdächtigen Symptomen an Dein zuständiges Gesundheitsamt, suche einen Arzt auf und halte Dich in Bezug auf das Coronavirus an die Informationen des Bundesgesundheitsministeriums oder des Robert Koch-Instituts.

Anmerkungen

Achtung, diese Anmerkungen können eine Prise der Meinung des Autors beinhalten:

[a] Da könnte man berechtigterweise fragen, warum das Gesundheitssystem nicht auf Hamsterkäufe vorbereitet war und warum nicht genug Desinfektionsmittel, Hygienemasken, Handschuhe etc. bevorratet wurden.

Verweise

Auch interessant: Die Desinfektionsmittel-Liste des VAH

Weitere Quellen und Informationen zum Thema „Hände richtig waschen“:

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