Gender Pay Gap

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„Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durchschnittlichen Brut­to­stun­den­ver­dienstes (ohne Sonderzahlungen) der Frauen und Männer im Verhältnis zum Brutto­stun­den­ver­dienst der Männer.“ so erklärt es das statistische Bundesamt und führt weiter aus: [a]

„Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen lag 2018 um 21 % nied­ri­ger als der Verdienst der Männer. Die Unterschiede fielen in West­deutsch­land (und Berlin) mit 22 % deutlich höher aus als im Osten (7 %).“

Der gender pay gap ist eine Folge der in mehrfacher Hinsicht benachteiligten Stellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei geht es heute weniger um eine offene Diskriminierung bei der Entlohnung (wenn für identische Leistungen/Arbeiten Männer mehr, Frauen weniger erhalten), sondern um eine versteckte, strukturelle Diskriminierung. [b]

Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen innerhalb einer Branche lassen sich nur teilweise durch unterschiedliche Qualifikationen und Tätigkeitsanforderungen erklären. Zu berücksichtigen ist vor allem die unterschiedliche Bewertung beruflicher Leistungen, insbesondere im Hinblick auf frauen- und männer- „typische“ Tätigkeiten. Während männertypische Tätigkeiten traditionell als anspruchsvoll gelten, werden frauentypische Tätigkeiten oft nur als einfache Tätigkeiten eingestuft. Hinzu kommt das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung. Erwerbsunterbrechungen im Rahmen der Elternzeit oder zwischenzeitliche Teilzeitarbeit stellen Karrierehemmnisse dar. Trotz gleicher Qualifikation erschweren sie Frauen einen beruflichen Aufstieg, denn höhere bzw. leitende Positionen sind in aller Regel als Vollzeitarbeitsplätze konzipiert und lassen längere Abwesenheitszeiten nicht zu. Die Tatsache, dass Frauen seltener in Führungspositionen zu finden sind, wirkt sich somit negativ auf den durchschnittlichen Bruttomonatslohn der Frauen aus. [b]

Absoluter vs. bereinigter Lohnunterschied

Wie man sieht, spielen in die Gender Pay Gap einige Faktoren mit rein, die eine absolute Bewertung erschweren. Deshalb gibt es im Hinblick auf den eklatanten Unterschied zwischen Frauen und Männern noch eine zweite Berechnung, den sogenannten bereinigten Lohnunterschied. [b]

Der bereinigte Lohnunterschied berücksichtigt, dass Frauen oft in anderen Arbeitsverhältnissen arbeiten als Männer und deshalb weniger verdienen, das heißt, die strukturellen Unterschiede werden herausgerechnet. Hier ist der Gap zwischen den Gehältern für Männer und Frauen geringer, liegt aber trotzdem noch bei sechs Prozent. [b]

6 Prozent sind zwar weniger als 21 Prozent, aber natürlich auch nicht einfach wegzuwischen. Zum einen, weil die Zahl ja doch beweist, dass Frauen zwar nicht immer schlechter bezahlt werden als Männer – bei gleichen strukturellen Voraussetzungen wie Karrierestufe, Erfahrung und Tätigkeit –, aber dass es dennoch vorkommt. Zum anderen, weil sich die Frage stellt, warum das eigentlich so sein muss, dass die strukturellen Voraussetzungen so sind, wie sie sind. [b]

[…]

Die Mittel zur Reduktion struktureller Benachteiligung sind andere als die, die zur Reduktion direkter Benachteiligung notwendig sind. Die Nennung des bereinigtem Lohnunterschieds soll also nicht den absoluten Lohnunterschied relativieren. Wir dürfen bei der Diskussion über den gender pay gap nur nicht vergessen ob wir grade über strukturelle oder direkte Benachteiligung diskutieren, damit wir nicht aneinander vorbei reden.

  • Warum werden „typisch weibliche“ Tätigkeiten wie zum Beispiel im Gesundheitswesen, im Einzelhandel oder im Erziehungsbereich so schlecht bezahlt?
  • Kann man Leistung wirklich messen und wenn ja, was wiegt wie schwer?
  • Warum sind nicht mehr Frauen in „Männerberufen“ tätig?
  • Wieso werden Frauen nicht öfter trotz Teilzeit und Co. gefördert und in Führungspositionen befördert?
  • Wieso ist das Großziehen von Kindern immer noch hauptsächlich Frauensache, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht?

Grundsätzlich liegt das eigentliche Problem also nicht an den reinen Zahlen, sondern auch daran, dass es viele ungeklärte Fragen gibt und das Thema nicht ganzheitlich angegangen wird. [b]

Wie sieht es in der Chemie aus?

Im Folgenden ein paar Zahlen, die wir finden konnten.

Absoluter Lohnunterschied

  • Das Statistisches Bundesamt (2019, Fachserie 16 Reihe 2) gibt für die chemische Industrie einen absoluten Verdienstabstand von 18,5 % an. Männer haben dort einen Bruttostundenlohn von 26,51 €, Frauen verdienen dort im Schnitt 21,94 € brutto pro Stunde. [c]
  • Die Berliner Morgenpost bezieht sich auf eine Auswertung der Gehaltsstatistiken der Bundesagentur für Arbeit und hält fest, dass Frauen in der Chemie 20 % weniger Verdienen als Männer (dies soll im Schnitt 824 € weniger Bruttogehalt bedeuten). Die Daten, die der Auswertung zugrunde liegen, stammen von der Bundesagentur für Arbeit. Sie beinhalten die mittleren Gehälter (Vollzeit) von Frauen und Männer im Jahr 2016 in 141 Berufgruppen. Davon konnten 15 Berufsgruppen aufrgrund unzureichender Datenlage nicht berücktigt werden. Hinzu kommen Angaben zu mittleren Gehältern von Frauen und Männern in den 401 Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands.
  • Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung verdienen Akademikerinnen zwischen 25 und 30 Jahren 15,2 Prozent weniger als Männer der gleichen Altersklasse. Dieser „gender pay gap“ vergrößert sich dann in der Gruppe zwischen 46 bis 50 Jahren auf 25,3% (Stand 12/2015).
[…]

Bereinigter Lohnunterschied

  • Einer Studie von gehalt.de zufolge verdienen Frauen in der Chemischen Industrie 1,7 % mehr als Männer.
[…]

Situation im Ausland

  • USA, 2017: Die Nature berichtet das promovierte Frauen in der Chemie im Schnitt 85.000 US-Dollar verdienen, 5.000 US-Dollar mehr als ihre männlichen Kollegen. [d]
  • USA, 2016, US National Science Foundation (NSF): Der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern unter den Chemiedoktoranden lag 2016 bei 4 %: Männer verdienten hier im Schnitt 86.500 USD und Frauen 83.000 USD. Allerdings sind nur 37 % der Doktoranden weiblich. Der Unterschied zwischen den Gehältern von Frauen und Männern in Postdoc-Stellen war unerheblich. [e]

Es müssen ja nicht gleich die USA sein, wie siehts denn aus im Staate Dänemark?

In Dänemark liegt der absolute Gehaltsunterschied laut OECD im Jahr 2013 bei 6.77 %. [f][…]

Verweise

Wer mehr zum gender pay gap und Unterschieden zwischen Männern und Frauen am Arbeitsmarkt lesen will, kann das in einem Arbeitsmarktbericht vom Juli 2015 tun: Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Frauen und Männer am Arbeitsmarkt 2014.

Die Royal Society of Chemistry hat 2018 einen Gender Pay Gap Report veröffentlicht.


maiLab hat zu diesem Thema ein gutes Video erstellt:


Einzelnachweise

[a] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html (Abgerufen am 24.12.2019)

[b] https://www.absolventa.de/karriereguide/arbeitsentgelt/gehaltsunterschied-maenner-frauen (Abgerufen am 24.12.2019)

[c] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-Verdienstunterschiede/Publikationen/Downloads-Verdienste-und-Verdienstunterschiede/indizes-verdienste-lange-reihe-pdf-2160220.pdf?__blob=publicationFile (Abgerufen am 24.12.2019)

[d] https://www.nature.com/articles/d41586-019-00220-y (Abgerufen am 24.12.2019)

[e] https://www.chemistryworld.com/news/chemistry-best-science-in-us-when-it-comes-to-gender-pay-gap/3008538.article (Abgerufen am 24.12.2019)

[f] Henrik Kleven & Camille Landais & Jakob Egholt Søgaard, 2019. „Children and Gender Inequality: Evidence from Denmark,“ American Economic Journal: Applied Economics, vol 11(4), pages 181-209.