Intramolekularer Protonentransfer

Du bist hier:

Eine kurze Anmerkung zu Reaktionsmechanismen, die einen Protonentransfer beinhalten:

Häufig wird der Protonentransfer (Protonierungen/Deprotonierungen und/oder umgekehrt) in organischen Reaktionen intramolekular dargestellt – dies ist aber nicht die Regel, denn der Übergangszustand des Protonenwechsels wäre ein Vierring. Die Bildung viergliedriger Ringe ist enthalpisch wegen der inhärenten Ringspannung immer ungünstig. Ein Protonentransfer verläuft meist über das Lösungsmittel. [a]

Dies wird im Artikel zur Benzoin-Addition auch in der deutschsprachigen Wikipedia falsch dargestellt (Stand: 14.11.2019). Da die Benzoin-Addition in wässrig ethanolischer Lösung durchgeführt wird, erfolgt der Protonentransfer durch das Wasser. Im englischsprachigen Artikel ist dies richtig dargestellt.

Reaktionen die tatsächlich über einen viergliedrigen Übergangszustand ablaufen sind zum Beispiel die Wittig-Reaktion; bei dieser bildet sich zwischenzeitig ein viergliedriger Ring, ein sogenanntes Oxaphosphetan. Die spontane Weiterreaktion dieses energiereichen Intermediats in einer [2+2]-Cycloreversion führt anschließend zu einem Alken. [b]

Einzelnachweise

[a] Diese Anmerkung stammt von einem Professor für organische Chemie; da unklar ist, ob dieser namentlich genannt werden möchte wird an dieser Stelle darauf verzichtet.

[b] Leisering, Stefan ; Schalley, Christoph A ; Schalley, Christoph A: Tutorium Reaktivität und Synthese : Mechanismen synthetisch wichtiger Reaktionen der Organischen Chemie. 1. Aufl.. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2017.